Leitbild

Das Leitbild des Bundesverbandes Suchthilfe e. V. liegt in der Fassung vom 16.02.2022 vor. Nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung am 30.09.2021, den Verband auch für ambulante Einrichtungen der Suchthilfe zu öffnen, wurden auch diese Einrichtungen in das Leitbild aufgenommen. Bis zum März 2023 wird das Leitbild umfassend überarbeitet und aktualisiert. Es beschreibt die Haltung des Verbandes in folgenden Punkten: Menschenbild, Stärken, Ziele, Mitglieder sowie Interessenvertretung.

I. Unser Menschenbild

Die Verbandsarbeit ist geprägt durch das jeweilige Menschenbild unserer Mitgliedseinrichtungen. Grundlage unserer professionellen Hilfeleistung für Suchtkranke in unseren Einrichtungen ist ein ganzheitliches, humanistisches Menschenbild. Von hoher Bedeutung für eine Mehrzahl der Häuser ist eine christliche Grundhaltung. Respekt, Wertschätzung und Zuwendung sind Basis fachlicher Hilfe für Menschen, die in eine behandlungsbedürftige Abhängigkeit geraten sind.

In ihrer Hilfebedürftigkeit haben Klienten, Patienten und Rehabilitanden Anspruch auf optimale, wissenschaftlich begründete Therapie, die sich am Bedarf und Willen sowie den Fähigkeiten des Einzelnen ausrichtet. Unsere Mitgliedseinrichtungen sind Orte, in denen Menschen Unterstützung für eine gesunde Lebensorientierung finden und Sinnerfüllung erfahren können. Wir nehmen unsere Verantwortung für Natur und Umwelt ernst. Die an der Würde des Menschen ausgerichtete ethische Grundhaltung bestimmt unseren Umgang untereinander und mit unseren Partnern.

II. Unsere Stärken – Fachlichkeit und Qualität

Gemeinsam stehen wir für Fachlichkeit, Qualität und Professionalität der Hilfen für suchtkranke Menschen.

  • Wir setzen uns ein für Förderung, Differenzierung und Optimierung der Beratung, Behandlung und Rehabilitation Suchtkranker,
  • wir beteiligen uns an der Entwicklung wissenschaftlich basierter Leitlinien und Standards und arbeiten zusammen mit wissenschaftlichen Fachgesellschaften sowie Akademien und Instituten,
  • wir entwickeln und erproben wissenschaftlich fundierte Modelle und Konzeptionen sowie integrierte Behandlungs- und Verbundsysteme für Suchtkranke,
  • wir wirken mit bei Gesetzgebungsverfahren und Rahmenvereinbarungen zur Suchtkrankenhilfe auf Landes- und Bundesebene,
  • wir sind kontinuierlich präsent an sozialpolitischen Brennpunkten mit der Möglichkeit, zeitnah und flexibel zu handeln,
  • wir setzen uns ein für die Akzeptanz von Sucht als Krankheit auf allen Ebenen der Gesellschaft und unterstützen die Interessen der von Abhängigkeit direkt oder indirekt betroffenen Menschen,
  • wir wirken mit an der Weiterentwicklung bedarfs- und zukunftsorientierter Einrichtungen,
  • wir wollen ein Versorgungssystem, das sich durch Effizienz, Transparenz und gerechte Vergütung auszeichnet,
  • wir fördern die Kompetenz unserer Mitglieder in regionalen und überregionalen Arbeitskreisen,
  • wir arbeiten zusammen mit allen in der Suchthilfe tätigen Personen, Einrichtungen und Organisationen, wobei der Kooperation mit den Leistungsträgern ein besonderer Stellenwert zukommt.

Wir sind führend bei der Förderung, Sicherung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Qualität der Behandlung suchtkranker Menschen. Mit der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in der Suchttherapie (deQus) haben wir entscheidende Impulse und Maßstäbe für die Qualitätsentwicklung in der professionellen Suchthilfe gesetzt und führen dies kontinuierlich fort.

Wir stellen unsere sachverständige Kompetenz bei der Weiterentwicklung von Dokumentations- und Qualitätssicherungssystemen den verantwortlichen Leistungsträgern zur Verfügung.

Ein ständiger interner Verbesserungsprozess ist für uns selbstverständlich.

III. Unsere Ziele

Unsere Mitglieder bringen ihr Wissen und ihre Erfahrungen engagiert in den Verband ein und entwickeln Strategien für die gemeinsame Arbeit. Unser Ziel ist die ständige Verbesserung der Behandlungsqualität. Gemeinsam mit unseren Partnern, insbesondere den Trägern der Renten- und Krankenversicherung, schaffen wir die Voraussetzungen für eine bedarfs- und indikationsgerechte Versorgung suchtkranker Menschen.

Dabei orientieren wir uns an den Grundsätzen der Suchtmittelfreiheit und der Hilfe zum Ausstieg aus dem Konsum sowie am Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist für uns selbstverständlich, dass der betroffene Mensch einen Anspruch auf eine medizinische und psychosoziale Behandlung und Betreuung hat, die seinem individuellen Hilfebedarf entsprechen.

Wir setzen uns ein für:

  • ein breites und differenziertes Versorgungsangebot, das dem Prinzip der Suchtmittelfreiheit ebenso verpflichtet ist wie der Wiederherstellung und Erhaltung der funktionalen Gesundheit sowie der umfassenden Teilhabe an der Gemeinschaft und am Arbeitsleben,
  • die Umsetzung von fachlichen Leitlinien und Standards zur Behandlung Suchtkranker,
  • die kontinuierliche Weiterentwicklung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität,
  • rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die es den Einrichtungen ermöglichen, ihren Versorgungsauftrag optimal zu erfüllen,
  • regional orientierte Netzwerke aller an der Hilfe für Suchtkranke beteiligten Personen und Institutionen,
  • den interdisziplinären Ansatz der Hilfe,
  • die Integration von Einzelnen und Gruppen, die von gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht sind,
  • eine enge Verbindung von Praxis und Wissenschaft,
  • die Berücksichtigung der Interessen suchtkranker Menschen und des Suchthilfesystems in der Gesundheitspolitik,
  • eine gute Zusammenarbeit aller Verbände der Suchthilfe sowie
  • für eine Hilfe ohne Ansehen der Person, ihrer Herkunft, ihrer religiösen Bindung, kulturellen Prägung oder ihrer politischen Überzeugung.

IV. Unsere Mitglieder

Der Bundesverband Suchthilfe e. V. (bus.) lebt von der Mitwirkung und der Kreativität der Mitglieder. Diese arbeiten eng und intensiv in regionalen Arbeitskreisen und Qualitätszirkeln zusammen.

Wir pflegen in unserem Verband

  • einen offenen Erfahrungsaustausch,
  • einen fachlichen Wissens- und Know-how-Transfer,
  • eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Berufsgruppen,
  • eine differenzierte Fortbildung

in einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre.

V. Unsere Interessenvertretung

Wir vertreten die fachlichen und versorgungspolitischen Interessen unserer Mitglieder.

Wir nehmen Einfluss auf gesundheits-, sozial- und gesellschaftspolitische Prozesse und wirken konstruktiv und kritisch mit bei der Formulierung von Gesetzgebungsvorhaben und Rahmenvereinbarungen auf Länder- und Bundesebene.

Im Dialog mit den Sozialversicherungsträgern erweisen wir uns als kompetente und konstruktive Gesprächspartner:innen.

Wir suchen die enge fachliche und persönliche Zusammenarbeit mit der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), den Trägerverbänden der freien und öffentlichen Wohlfahrt sowie mit anderen Verbänden.

Besondere Bedeutung hat für uns die Zusammenarbeit mit den Verbänden der Selbsthilfegruppen und Betroffenenorganisationen, die in besonderer Weise die Interessen der suchtkranken Menschen vertreten.

Wir stellen unsere Kompetenz und unser Know-how auch anderen Verbänden und Organisationen zur Verfügung.

Kassel, 16.02.2022